Anleger haben es derzeit nicht leicht. Das historisch niedrige Zinsniveau ermöglicht nur magere Renditen. Gleichzeitig lassen die Kursschwankungen an den Börsen keinen eindeutigen Trend erkennen. ETF-Anleihen bieten einen Ausweg. Diese Produkte, deren großer Pluspunkt der attraktive Fixkupon ist, sind eine Weiterentwicklung der bewährten Aktien- bzw. Index-Anleihen. Der Unterschied: Bei Index-Anleihen erfolgt die Tilgung immer durch eine Geldzahlung. Bei ETF-Anleihen hingegen erfolgt nur dann eine Tilgung als Geldzahlung – und zwar zum Nennwert –, wenn der Basiswert am Laufzeitende über der Barriere notiert. Liegt er am Ende der Laufzeit unter der Barriere, besteht die Rückzahlung aus der Lieferung einer festgelegten Anzahl von Exchange Traded Funds – kurz ETFs. Dieses Verfahren kennen Anleger bereits von Aktienanleihen, bei denen es im entsprechenden Fall zu einer Rückzahlung in Form von Aktien kommt. Die Chance für Börsenoptimisten: Anstatt den jeweiligen ETF direkt zu verkaufen und möglicherweise Verluste zu erleiden, können sie die Indexfonds halten und auf eine Kurserholung setzen.
„Die neuen ETF-Anleihen kombinieren somit die Vorteile von Aktien- bzw. Index-Anleihen und ETFs“, sagt Sebastian Bleser, Zertifikate-Experte bei der Société Générale. „Der Anleger hat selbst bei stagnierenden oder leicht sinkenden Kursen des Basiswertes die Chance auf attraktive Renditen. Neben dem Fixkupon erhält er am Laufzeitende den Nennwert zurück, wenn der Basiswert dann über der Barriere notiert. Sinkt der Basiswert hingegen bis zum Laufzeitende stärker und notiert unter der Barriere, profitiert der Investor bei der entsprechenden Rückzahlung von der Flexibilität sowie den geringen Kosten der ETFs und kann auf einen Wiederanstieg der Kurse setzen.“
Ein Beispiel: Die ETF-Anleihe auf den Lyxor ETF STOXX Europe 600 Telecommunications (WKN: SG1R1Q) zahlt zum Laufzeitende (12. Juli 2011) einen Kupon von 8,50 Prozent. Der Basispreis beträgt 25,25 Euro, die Barriere liegt bei 20,00 Euro. Notiert der Basiswert zum Laufzeitende über 20 Euro, erhält der Anleger bei Fälligkeit des Papiers die Kuponzahlung sowie die Rückzahlung des Nominalwerts von 100 Euro pro Anleihe. Liegt der Kurs des Basiswerts am Ende der Laufzeit unter 20 Euro, bekommt er neben der Kuponzahlung anstelle des Nominalwerts 3,96 Lyxor ETFs auf den STOXX 600 Telecommunications (100 Euro Nominalwert dividiert durch den Basispreis 25,25 Euro). Davon würden drei ETFs tatsächlich geliefert und 0,96 ETFs als Barausgleich getilgt.
Die neuen ETF-Anleihen beziehen sich auf Exchange Traded Funds von Lyxor Asset Management, einer 100-prozentigen Tochter der Société Générale. Mit einem Marktanteil von rund 21 Prozent ist Lyxor AM einer der führenden Anbieter auf dem europäischen ETF-Markt.
„Wie bei anderen Investmentinstrumenten sollten sich Anleger auch vor einem Investment in ETF-Anleihen eine Marktmeinung bilden“, empfiehlt Sebastian Bleser. Anleger können mit ETF-Anleihen auf steigende, moderat fallende oder seitwärts verlaufende Märkte setzen. Das Anlagekapital ist dabei allerdings nicht komplett geschützt. Notiert der Basiswert am Ende der Laufzeit unterhalb der Barriere, sind die gelieferten ETFs möglicherweise weniger Wert als die Summe aus Fixkupon und investiertem Kapital. Der Anleger erleidet dann bei einem sofortigen Verkauf der ETFs einen Verlust. Sollte der Kurs des Basiswerts hingegen nur leicht unterhalb der Barriere notieren, werden Anleger durch den Fixkupon per Saldo einen Gewinn verbuchen.
Anleger sollten zudem beachten, dass sie auch bei ETF-Anleihen das Bonitätsrisiko der Garantin als auch der Emittentin tragen und auf mögliche Dividendenzahlungen des Basiswerts verzichten. Während der Laufzeit beeinflussen neben dem Kurs des Basiswerts unter anderem auch dessen Volatilität sowie die Marktzinsentwicklung die Kursentwicklung von ETF-Anleihen
Quelle: Société Générale